Donnerstag, 5. September 2013

Hundeerziehung - mal anders!

Bei der Einschätzung der Intelligenz und der Verhaltensweise des Hundes hat sich in den letzten Jahren viel getan. Wer heute noch glaubt, Hunde müssten zur Erziehung geschlagen werden oder der Mensch müsse als dominantes Alpha-Tier aufregen, wird von neueren Wissenschaftsergebnissen eines Besseren belehrt.

Aber was sind die neueren Änderungen für den verantwortungsvollen Hundebesitzer:


  • Sind Hunde dumm? Hier ganz klar nein. Bei älteren Intelligenztests wurde nur, z.B. bei Katzen, eine Eigenwilligkeit und eine gegen den Menschen gerichtete Intelligenz überbewertet. Dem Hund wurde nur sein Gruppenverhalten und seine Anhänglichkeit gegenüber dem Menschen als Dummheit nachgetragen. Tatsächlich ist der Hund das intelligenteste Haustier, was die Kommunikationsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Menschen angeht; Allerdings auch deshalb, weil er das älteste Haustier ist und schon zur Steinzeit mit dem Menschen zusammenlebte. Der Hund versteht Menschensprache mit eimem Wortschatz von mindestens 30 Worten, er versteht die ersten 2 Silben und kann menschliche Mimik und Gestik komplex verstehen; An zweiter Stelle kommt dann das Pferd mit weniger als 10 Worten Wortschatz und nur 1 erkannten Silbe. Mimik wird nicht verstanden, an Gestik versteht das Pferd nur die Gerte oder das Zaumzeug. Und im Gegensatz zu allen anderen Haustieren: Der Hund kann in primitiver Form mit dem Menschen handeln! Er hat ein einfaches abgestuftes Wertesystem, was er für bestimmte Handlungen haben will! Nur dumme Menschen nennen dieses Verhalten für "Betteln"!
  • Verhalten Wolfsrudel..Alphatier...? Das Verhalten des Hundes beruht tatsächlich auf den Regeln des Wolfsrudels, auf der anderen Seite aber auch auf dem Zusammenleben mit dem Menschen in steinzeitlichen Verhältnissen. Auf diesen beiden Säulen werden seine Gesetze und sein Unrechtsbewusstsein bestimmt, beides muss oft an die heutige Zeit angepasst werden.

    Das Wolfsrudel bestimmt sein Zusammenleben in der Gruppe; Dies ist aber nicht so grausam wie früher behauptet. Er ist mit seinem Alphatier zufrieden, wenn die tägliche Grundversorgung da ist, wenn er also immer was zu fressen hat und sich sicher fühlt usw. Konflikt mit dem Menschen bekommt er nur in 2 Punkten:
    1. Der Hund hat ein anderes Rangordnungsdenken als der Mensch. Beim Hund ist immer das Alphatier alles Schuld, wenn es Probleme gibt; Die rangniederen Tiere beschweren sich bei komplexen Problemen, die sie nicht verstehen, beim Alphatier oder setzen es sogar in wilden Beissereien ab; Beim Menschen ist es ja von Natur aus umgekehrt - da ist bei komplexen Problemen immer der rangniedrigste Schuld und muss das Problem lösen, und der Chef ist der der herumschreit und das Problem im Detail nicht mal verstanden hat. Die Abläufe in der menschlichen Gesellschaft, z.B. bei häuslicher Gewalt, kann der Hund so niemals verstehen und er kann, vom Menschen aus gesehen, unerwartet aggressiv werden. Wer bei gefährlichen komplexen Situationen aggessiv wird, steht beim Hund ganz unten in der Rangordnung! Der Hund erwartet vom Alphatier, daß es souverän weiss, was zu tun ist, an alle Mitglieder des Rudels denkt und als erster angreift, insbesondere wenn das Alphatier die Gruppe in den Schlammassel hineingeführt hat. Ansonsten gibt es das sof. Hundeschlittenphänomen, wenn auf einmal alle Hunde über den Schlittenführer herfallen, der sich erkennbar verlaufen hat oder sonstwie Miest gebaut hat und aggessiv wird!

    2. Beim Hund ist Rache üblich. Angriffe gegen das Alphatier erfolgen entgegen der allgemeinen Ansicht niemals offen von Vorn, sondern meist in Gruppen hinterrücks mit konkreter Verletzungsabsicht; Jedenfalls wenn die rangniederen Tiere richtig sauer sind!

    Beim Zusammenleben mit dem Menschen schätzt der Hund vor allem am Menschen, daß man sich gegenseitig durch die Sinnesorgane und die Intelligenz hervorragen ergänzt. Der Hund hilft dem Menschen dabei beim Jagen und dem Schutz mit seinem Geruchssinn und übernimmt die Erkundung des Nahbereichs. Vom Menschen erwartet er die langfristige Planung, da der Mensch ja derjenige ist, der bis zum Horizont sehen kann bzw. zumindest durch seinen höheren Kopf eine weitere Sicht hat. Der Hund handelt aber auch mit dem Menschen um Leckerlies etc., da er seine Fähigkeiten sehr wichtig nimmt; Immerhin war der Hund zur Steinzeit für den absolut Menschen lebenswichtig: Bei der Jagd, bei Finden verletzter befreundeter Menschen im Wald, beim Hetzen und Finden der durch den Speer verletzten Beute, als Frühwarnsystem gegen Bären und Säbelzahntiger,...
  • Warum denkt der Hund anders? Der Mensch benutzt ja vor allem das Auge als wichtigstes Sinnesorgan. Da Erkennen anderer Mitbewohner geht über das Sehen. An zweiter Stelle kommt das Gehör. Beim Hund ist der wichtigste Sinn die Nase, dann kommt das Ohr; Das Auge ist eher unwichtig. Der Hund erkennt den Menschen nur über den Geruch oder das Sprechen, über das Auge kann er den Menschen nicht erkennen. Ansonsten ist ein Sozialverhalten ähnlich komplex wie beim Menschen.
  • Warum läuft der Hund so blöd dem Ball hinterher? Das Fang-dem-Ball-Spiel ist beim Hund ein wichtiger Bestandteil des Sozialverhaltens mit dem Menschen. Das Jagen musste im Wolfsrudel immer wieder geübt werden, bei Jagen selbst gab es ja keine zweite Chance. Daher wurde das Jagen oft spielerisch geübt, wobei auch schon jeder seine Rolle übernahm und demonstrierte. Gegenüber dem Menschen kennt der Hund vor allem das Jagen mit Fernwaffen des Menschen, wobei der Hund das Werfen der Fernwaffe als Zeichen zum Angriff sieht und die Fernwaffe mit dem, was dran ist, angreift. Dies demonstriert er dem Menschen beim Fang-den-Ball-Spielen, das für ihn durchaus ernst gemeint ist. Immerhin hätte der Mensch bei der Jagt auch mit Fernwaffen kaum eine Chance gehabt, da verletzte Beute meist noch bis zu mehreren Kilometer weit lief, bevor sie tot zusammenbrach. Nur der Hund konnte den Menschen rechtzeitig dahinführen, um die Beute dann gegen andere Fressfeinde zu verteidigen. Genau das will der Hund trainieren!
  • Muss man den Hund schlagen bei der Erziehung? Heute gang klar nein! Der Hund kennt soziales Zusammenleben; Er hat ein ausgeprägtes Gesprüd und Empathie für den Menschen. Das heisst er riecht schon Angst, Ärger oder auch Freude beim Menschen und lernt schon durch Beobachtung und Geruch. Nur bei wenigen Dingen muss er aktiv erzogen werden, dann handelt er oft regelrecht um Belohnungen wie Leckerlies etc. und fürchtet am meisten vorübergehende soziale Ausgrenzung aus dem Ruden wie wenn er in das Körbchen geschickt wird.
  • Hunde sind nur eingeschränkt Kinderlieb. Im Wolfsrudel bekommen meist alle Tiere gleichzeitig Nachwuchs, wenn es dem Rudel gut geht. Geht es dem Rudel schlecht, verlieren die Tiere meist von selbst ihre Schwangerschaft oder töten sogar neugeborenen Nachwuchs, egal ob es der eigene oder fremder ist. Bekommt der Mensch Nachwuchs, so kann man insbesondere mit weiblichen Hunden Probleme bekommen, wenn man diesen für den Hund erkennbar Nachwuchs verweigert - das gilt sogar für eine Spritze gegen Läufigkeit oder für das Verbot von Rüdenbesuch. Hunde können dann unerwartet aggessiv gegen Babys werden - im Prinzip sind Hunde also ein Problem gegenüber Babys.
Diese Punkte bei allem Alphatier-Gerede beachten, dann klappt's auch mit dem Köter!

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